Komponistenportrait bei Alpenklassik

Jörg Widmann wird in insgesamt vier Konzerten am zweiten Wochenende des Alpenklassik Festivals portraitiert. Dabei erklingen eigene Werke von Widmann und von ihm selbst ausgewählte Werke. Außerdem wird er selbst spielen. Als Gäste begrüßt er seine Schwester, die exzeptionelle Violinistin Carolin Widmann, Pianist Dénes Varjon, Sopranistin Julie Kaufmann und Hornist Bruno Schneider. Die vier Konzerte spinnen Fäden zwischen zwei der großen, der existenziellen Felder der Musik: Spielfreude und Wehmut. Und in allen Konzerten sind Werke Widmanns zu hören, in denen sich diese auch in seinem Schaffen so wichtigen Pole spiegeln. Verbindungslinien gibt es viele: So hat Widmanns "Air" viel zu tun mit dem "Hirt auf dem Felsen", Schuberts letztem Lied: In beiden Stücken finden sie sich, die sublimierten Jodler, in beiden geht es um Naturlaute, in beiden sind die Echos ganz ähnlich, in beiden sind Einsamkeit und Wehmut. Einsamkeit beschwört der Ton in Schuberts "Arpeggione-Sonate", Einsamkeit und Sehnsucht finden sich auch zweihundert Jahre später in Widmanns "étude IV". "Für mich hat dieses Bild und der Klang der einzelnen und damit einsamen Geige ohnehin etwas mit Heimweh, mit Heimatlosigkeit zu tun" (Jörg Widmann). Gleichzeitig ist das Stück ein hochvirtuoses Experiment. Die Etüden sind fortlaufend konzipiert, die eine endet in einer bestimmten Art und Weise, die nächste beginnt mit dieser: So ist die "étude IV" eine Studie über das pizzicato - und mündet in eine sehr virtuose Art von Triller, wie sie Paganini in einer seiner Capricen verwendete ("das wird dann meine nächste Etüde"). Und auch hier wieder knüpft sich ein Faden (der virtuosen Spielfreude) zwischen Widmann und Zemlinsky: Dessen "Trio op. 3" ist blendendes Beispiel für überquellende Lust am Musizieren und dafür, wie ein junger Komponist in einem einzigen Stück all das zeigen will, was er kann. Überladen und in der Tonalität bis zum Bersten gespannt ist das Trio, man spürt den Überdruck und - wiederum die Rückseite der Medaille, die Einsamkeit eines Komponisten, der auf der Suche ist, dem die Fesseln der Tonalität zu eng geworden sind.

Link